Warum ein Bezugsrecht auf neue Aktien?

Im Zusammenhang mit der Emission von neuen Aktien tauchen zwangsläufig Begriffe wie Bezugsrecht und Verwässerungseffekt auf. Was genau hat es damit auf sich?

Wir brauchen neue Aktien

Benötigt ein Unternehmen frisches Geld aufgrund einer bevorstehenden Übernahme oder für die Investition in ein großes, vielversprechendes Projekt, besitzt es die Möglichkeit, neue Aktien auszugeben, also zu emeritieren. Durch eine solche Eigenkapitalbeschaffung werde neue, junge Aktien gebildet.

Jedoch bedarf es dafür der Zustimmung der Hauptversammlung. Da das Unternehmen auch in Schwierigkeiten stecken könnte und frisches Kapital für die Überwindung von Krisen, zur Tilgung von Schulden oder zur Senkung der Fremdkapitalkosten benötigt, bedeutet eine Kapitalerhöhung für die Anleger ein zweischneidiges Schwert.

Ist die Planung einer Kapitalerhöhung nun ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Was hat es mit dem Bezugsrecht nun auf sich?
Um das Kapital aus den emeritierten Aktien zu erhalten, müssen diese selbstverständlich verkauft werden. Und wer würde sich dafür besser eignen als die bestehenden Anleger selbst. Schließlich werden sie einen Grund haben, warum sie gerade Aktien dieses Unternehmens

Was ist der Unterschid von Jung- und Alt Aktien?
Was ist der Unterschid von Jung- und Alt Aktien?

halten, sie vertrauen der wirtschaftlichen Stärke des Unternehmens.

Dementsprechend sind Bestandskunden besser zu überzeugen, von den jungen Aktien Gebrauch zu machen als fremde Aktionäre. Die Gewährung eines Bezugsrechts ist in Deutschland Pflicht, wenn die Kapitalerhöhung mehr als zehn Prozent beträgt.

Um den Altaktionären den Kauf von jungen Aktien schmackhaft zu machen, werden diese zu einem signifikant günstigeren Preis angeboten.

Dieses Recht auf den Kauf von jungen Aktien bezeichnet man als Bezugsrecht.

Der Verwässerungseffekt

Es gibt noch einen zweiten Grund für das Angebot an die Altaktionäre. Durch die Ausgabe neuer Aktien verschlechtert sich der Anteil an dem Unternehmen, den ein Altaktionär hält. Besitzt er etwa 300 Aktien bei einer Gesamtzahl von fünf Millionen, macht das 0,006 Prozent. Nun werden eine Millionen neue Aktien ausgegeben.

Bei insgesamt sechs Millionen beträgt der Anteil für den Aktionär nur noch 0,005 Prozent. Um dem vorzubeugen, werden dem Altaktionär so viele junge Aktien angeboten, dass bei Inanspruchnahme des Bezugsrechts sein Anteil am Unternehmen nicht verwässert wird, der sogenannte Verwässerungseffekt.

Was aber, wenn der Anleger nicht davon Gebrauch machen möchte? In diesem Falle kann er seine Bezugsrechte an der Börse verkaufen.

Ausschluss von Bezugsrechten

Nicht bei jeder Kapitalerhöhung erhalten die Anleger die Bezugsrechte. Finden sich auf der außerordentlichen Hauptversammlung nicht genügend Stimmen, verfällt das Bezugsrecht. Ebenso muss es nicht in Kraft treten, wenn die Kapitalerhöhung weniger als zehn Prozent des Grundkapitals beträgt oder der Emissionspreis nicht signifikant unterhalb des aktuellen Aktienkurses liegt, mehr dazu in dem Artikel was für Aktien sollte man jetzt kaufen.

Als Richtlinie sehen Experten zwischen drei und fünf Prozent unterhalb des Kurses. Hängt darüber hinaus der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens stark davon ab, wie schnell und flexibel auf Marktveränderungen reagiert werden kann, ist dies auch ein Ausschlusskriterium. Für die Altaktionäre brechen in einem solchen Fall düstere Zeiten an.

Nicht nur, dass der Verwässerungseffekt eintritt und damit einhergehend die Dividendenrendite geringer ausfallen wird unter Umständen, auch fallen die Kurse mehr oder weniger stark durch den Verkauf der Aktien zu niedrigerem Preis.